Heideggers Erörterungen zur Aussagenwahrheit – Eine Rekonstruktion der ontologischen Prämissen

Abstract

Heidegger befasst sich im letzten Paragraphen des Ersten Abschnitts von Sein und Zeit mit der Wahrheit. Er beendet darin seine „vorbereitende Fundamentalanalyse des Daseins“ und geht anschliessend im Zweiten Abschnitt dazu über, die Sorge (das Sein des Dasein) eingehender zu thematisieren.
Doch wieso befinden sich seine Ausführungen zum Wahrheitsbegriff an dieser emblematischen Position? Die textarchitektonisch herausragende Stellung legitimiert sich durch die Notwendigkeit, das Wahrheitsphänomen im Zusammenhang mit seiner Daseinsanalyse zu besprechen. Und zwar deshalb, weil die „Philosophie von alterseher Wahrheit und Sein zusammenstellt“ (212), wodurch sich die Frage stellt, in welchem Zusam- menhang Wahrheit und Dasein sind: „In welchem ontisch-ontologischen Zusammenhang steht „Wahrheit“ mit dem Dasein und dessen ontischer Bestimmtheit, die wir Seinsverständnis nennen?“ (213) Zudem bleibt zu klären, inwiefern die Aussagen über das Dasein in Sein und Zeit überhaupt wahr sein können und was Heidegger unter der Aussagenwahrheit versteht.

Diese Arbeit versucht eine Brücke zwischen diesen beiden Punkten zu schlagen und zu zeigen, wie wir aus Heideggers fundamentalontologischer Position überhaupt von Aussagenwahrheit sprechen können. Dabei geht es weder darum, das ursprüngliche Phänomen der Wahrheit an sich gänzlich zu erfassen, noch werde ich mich primär damit befassen, wie Heidegger die Wahrheit seiner Aussagen theoretisch auslegt. Mein Anliegen besteht darin, Heideggers Schluss von ontologischen Prämissen auf die Aussagenwahrheit aufzuzeigen. Dabei soll geklärt werden, wie Aussagenwahrheit ermöglicht wird und was es mit diesem ontologischen Funda- ment überhaupt bedeutet, wenn eine Aussage wahr ist.

Ich gehe dabei, wie Heidegger, vom traditionellen Wahrheitsbegriff der Korrespondenztheorie aus und stelle die Schwierigkeiten ihrer Grundthesen dar. Das hat den Vorteil, dass die Korrespondenztheorie Wahrheit als Aussagenwahrheit versteht und ich anhand ihrer Schwierigkeiten zeigen kann, welche Prämissen verworfen und durch neue, ontologische ersetzt werden müssen. Obwohl Heidegger die Korrespondenztheorie scharf kritisiert, resultieren seine Erörterungen in einem Ansatz, der ihr ziemlich ähnlich ist. Um den Bogen von der Kritik der Korrespondenztheorie zu Heideggers eigener Charakterisierung der Aussagenwahrheit zu spannen, werde ich abschliessend darauf eingehen, ob Heideggers Ausführungen eine neue Auffassung der Korrespondenztheorie entwickeln. Aufgrund der Kürze der Arbeit und der Komplexität der Thematik, habe ich mich jedoch auf eine durchsichtig vereinfachte Rekonstruktion der Korrespondenztheorie beschränkt und erhebe dabei weder den Anspruch Aristotels’ noch Thomas’ Auffassung wiederzugeben. Diese Seminararbeit geht zudem primär auf die Aussagenwahrheit ein und wird die fundamentalontologische Falschheit, sowie die Falschheit von Aussagen nur am Rand thematisieren. Auf dieser Grundlage wird auch die Gegenüberstellung mit Heideggers Ausführungen nur punktuell erfolgen und hat nicht den Anspruch, eine komplette systematische Übersicht zu bilden.

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Baumgartner (2014): Heideggers Erörterungen zur Aussagenwahrheit – Eine Rekonstruktion der ontologischen Prämissen. Universität Zürich (Philosophisches Seminar). Seminar “Martin Heidegger – Sein und Zeit”, FS/HS 14, Dozent: Dominique Kuenzle

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