Analyse und Vergleich von zehn Klavierschulen für den Anfängerunterricht

Abstract

Jede Klavierschule beginnt sozusagen wie ein Grundschullesebuch. Wir erinnern uns alle an unser erstes Lesebuch in der Grundschule, als wir mit dem Lesenlernen begonnen haben. Das Buch bleibt das ganze Leben in unserer Erinnerung. Es ist wie eine Wurzel für alles, was wir später lernen werden. Das Gleiche gilt für den Klavierunterricht. Das Notenbuch, das die Eltern nach dem Gespräch mit dem Klavierlehrer dem Kind kaufen, wird die Basis, auf die das Kind die ganze Kunst und sein Wissen aufbaut. Das Kind bekommt das schöne, neue Buch, blättert durch die Seiten, träumt von schwierigen Stücken, die am Ende des Buches sind, und die es einmal spielen wird. Das Kind bringt das Buch immer in den Unterricht mit und verbringt mit ihm viel Zeit während des ganzen Jahres, beim Üben und Spielen. Es bleibt lebenslang in Erinnerung.

Ich bin sehr glücklich, dass ich in beiden Rollen war: Einerseits als Schülerin, die eine Klavierschule bekommen hat, andererseits als Klavierlehrerin, die eine Klavierschule empfahl. Als kleine Schülerin war ich sehr stolz auf mein Buch, das aus mir eine “Pianistin” machen würde; davon habe ich damals geträumt. Ich habe den Prozess des “Pianistinwerdens” respektiert und die im Buch vorkommenden Stücke habe ich sehr bewundert.

Als Klavierlehrerin machte ich eine völlig andere Erfahrung. Nach vielen Jahren als Pianistin hatte ich die Anfangsschritte im Klavierunterricht vollkommen vergessen und musste mit meinen Schülern, als ich zu arbeiten begann, alles noch einmal neu lernen. Das heisst, jetzt war ich die Person, die den Eltern sagte, was für ein Buch sie kaufen sollten. Diese Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen. Man kann auch eine falsche Entscheidung treffen – eine Entscheidung, die für das Kind inadäquat ist. Ausserdem arbeitete ich damals in einem speziellen System, das mir nicht so viele Möglichkeiten bot. Ich habe mich für alle Schüler für dieselbe Klavierschule entschieden; das hat glücklicherweise funktioniert.

Erst nach dem Umzug in die Schweiz habe ich mir mehr über andere Möglichkeiten Gedanken gemacht. Es könnte anders sein, es gibt noch andere Wege! Eine neue Welt von verschiedenen Klavierschulen hat sich mir eröffnet und ich habe die Freiheit und das Glück gehabt, sie auszuprobieren und zu kombinieren. Heute ist es so, dass ich mir bei jedem Schüler überlege, welche Schule zu ihm passen würde – je nach Alter, Auffassungsgabe und musikalischen Fähigkeiten. Noch ein Wunsch tauchte auf – ich wollte systematisch für mich selbst diese neuen verschiedenen Schulen analysieren. Ich wollte einfach einen guten Einblick haben, was es wo gibt, wie und warum.

Der Markt bietet eine grosse Auswahl von Klavierschulen. Die Schulen, aus denen wir, die Klavierlehrer, als Kinder gelernt haben, sind vielleicht nicht mehr aktuell. Die Pädagogik und damit auch die Musikpädagogik haben sich als Wissenschaften in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt. Neue Ideen, Theorien und Thesen haben neue Ausblicke auf das Erlernen eines Instruments ermöglicht und der ganze Markt der Klavierschulen sieht anders aus als früher. Überproduktion, noch ein Thema heutzutage, hilft nicht dabei. Das Resultat ist, dass die Klavierlehrer zu viele Möglichkeiten haben, und gleichzeitig fühlen sie sich bei der Auswahl aufgrund zu vieler Optionen verloren.

In dieser Arbeit versuche ich herauszufinden, was eine Klavierschule anbietet, welche Unterschiede es aufgrund ihres Ursprungs (Zeit und Ort) gibt, was für ein bestimmtes Alter beim Klavier lernen wichtig ist, wie viele verschiedene Wege es eigentlich vom ersten Kontakt mit dem Instrument bis zu der Phase “Ich kann etwas spielen” gibt. Ich versuche auch herauszufinden, was mir persönlich bei einer Klavierschule wichtig ist.

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Fratric (2017): Analyse und Vergleich von zehn Klavierschulen für den Anfängerunterricht. Zürcher Hochschule der Künste (Musikpädagogik). Masterarbeit, FS 17, Betreuerin: Bianca Medici.

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